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Als einzige Kirche des Kreises besitzt die Altenberger Pfarrkirche St. Johannes Baptist Rundpfeiler mit vier schlanken, runden Vorlagen, den sog. Diensten, wie man sie in der Lamberti- und der Überwasserkirche in Münster vorfindet.

Blickfang ist der Hochaltar aus dem Jahre 1893, der als Flügelaltar ausgebildet ist und aufgeklappt werden kann. Er stammt aus der Werkstatt der Brüder Langenberg. Nach langen Wanderjahren hatte Ferd. Langenberg 1876 zusammen mit seinem Bruder eine Steinbildhauer- und Bildschnitzerwerkstatt in seiner Heimatstadt Goch eröffnet. Um 1900 arbeiteten hier 30 Gehilfen. Der ebenfalls vom Niederrhein stammende Nazarener Maler Albinus Windhausen (1863 - 1946), der die drei Tafelbilder des zugeklappten Flügelaltares gemalt hat, lebte in Roermond. Links wird die Salbung durch Maria Magdalene (Joh. 12, 1-18), in der Mitte die Anbetung der Heiligen drei Könige (Matth. 2, 9-12) und rechts die Auferweckung des Jünglings von Naim (Lk. 7, 11-17) dargestellt. Links vom Tabernakel hat Windhausen auf verschiebbaren Tafeln die Propheten Isaias und Jeremias, rechts Ezechiel und Daniel gemalt.

altar neu

Der aufgeklappte geschnitzte Hochaltar zeigt die österlichen Geheimnisse vom Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn: Jesus zu Beginn seines Leidens am Ölberg, Jesus sterbend am Kreuz und Jesus als der Auferstandene sind die mittleren Bilder des Altares. Weiter rechts ist das Pfingstgeschehen abgebildet und links das Kind in der Krippe.

Gott kommt durch Jesus zu den Menschen, um sie durch alles Leid, ja durch den Tod zum Leben zu führen. Das ist der Kern des Evangeliums Jesu und der frohen Botschaft Gottes an uns. So bilden die vier Evangelisten Matthäus (re.ob.) Markus (li.unten), Lukas re.unten.) und Johannes li. ob) den Rahmen des festlichen Bildes.Die Vorderseite des Altartisches ist ausgefüllt mit Sandsteinreliefs, die alttestamentliche Szenen zum Kreuzesopfer Jesu darstellen.

Nach der Liturgiereform wurde im Jahre 1970 ein neuer Altartisch (im Vordergrund) aus französischem Muschelkalkstein aufgestellt. Gestaltet von dem Emsdettener Bildhauer Daubenspeck zeigt er auf der Vorderseite die Traube, auf der linken Seite das Kreuz mit den fünf blutenden Wunden und auf der rechten Seite das Lamm als Zeichen der Eucharistie.

Nach Abschluß der Restaurierung im Jahre 2009 wurden durch den Bischof von Limburg und ehemaligen Altenberger Kaplan Dr. Franz - Peter Tebartz-van Elst im Rahmen eines Festgottesdienstes mit Altarweihe Reliquien des Heiligen Liudger in den Altar eingesetzt.

Zum Altar passend der Ambo (auch vom Künstler Daubenspeck), zeigt - symbolisch als Wort und Hand Gottes - auf einen reich gegliederten Hintergrund zwei nach oben gestreckte Hände und eine von oben her entgegenkommende Hand.

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Bei der Restaurierung 2009 sind in der Chorwand rechts neben dem Hochaltar zwei Nischen freigelegt worden. Eine davon war ursprünglich ein Lavabo (mit Wasserabluß unter die Kirche), das dem Reinigen der Kelche diente. Die Nische birgt die während der heiligen Messe benötigten liturgischen Geräte. In der kleineren Nische werden die drei Weiheöle aufbewahrt. Nischen befinden sich auch bei den beiden Seitenaltären. Aus der Erbauungszeit der hochgotischen Hallenkirche stammt das gotische Sakramentshäuschen im linken Teil des Chorraumes.

gewölbe

Im Chorgewölbe verdienen drei Schluss-Steine mit den Köpfen Christi (Foto), des hl. Nikolaus und einer Blattmaske besondere Beachtung. Vor allem der Christuskopf über dem Chor kann nach fachmännischem Urteil als einer der besterhaltenen dieser Art im westfälischen Raum angesehen werden. Bei der Restaurierung 1970 wurden im Chorgewölbe zudem Reste spätgotischer Rankenmalerei freigelegt, die etwa aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen und damals die Gewölbe vieler Kirchen zierten.

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Beide Seitenaltäre stammen von Gerhard Gröninger, der auch den Stephans-Altar im Dom zu Münster schuf. Der Kreuzigungsaltar (Foto) von 1625 ist im rechten Seitenschiff noch vollständig erhalten. In einem kräftigen Rahmen von zwei korinthischen Säulen, die ein antikisierendes Gebälk tragen, ist eine vielfigurige Kreuzigung dargestellt. Am Sockel befinden sich beachtenswerte kleine Passionsszenen. Der linke Seitenaltar aus dem Jahre 1630 zeigt die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan. Die Umrahmung dieses Täuferaltares stammt aus einer späteren (erste Hälfte des 18. Jahrhunderts) Zeit.

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Heiliger Liudger, Gründer der Pfarrgemeinde bei der Firmung

Drei Statuen zieren den Innenraum.

An der ersten Säule zum südlichen Seitenschiff befindet sich in halber Höhe die kolorierte Holzplastik Maria mit dem Kind. Sie stammt wahrscheinlich aus der Feigelerschen Werkstatt und ist dort in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden.

Am rechten Pfeiler an der Westwand unter der Orgelbühne ist die Statue des heiligen St. Joseph zu sehen, die ebenfalls aus der Werkstatt des bekannten Altenberger Bildhauers Theodor Feigeler (1856 - 1903) stammt.

Auf der anderen Seite der Westwand steht seit Ende 2012 eine Darstellung des Heiligen Liudger (Foto), dem Gründer der Pfarrgemeinde. Die Figur zeigt den ersten Glaubensboten bei der Firmung einer Jugendlichen und stammt aus dem Sendener Bildhauerbetrieb Burkhard Klöter.

Die vier Evangelisten, die sich an den beiden Pfeilern des Chorraumes befunden haben und im Zuge der Restaurierung 2009 im Turm untergebracht worden sind, stammen von dem alten Predigtstuhl, der bei der ersten Restaurierung im Jahre 1960 entfernt worden ist.

Die drei mittleren Chorfenster im Nazarenenstil stellen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers dar. Eine Szene mit Zacharias im Tempel (li.u.) darüber die Beschneidung des Johannes im Tempel, in der Mitte unten predigt Johannes und oben läßt Jesus sich von Johannes taufen. Rechts unten Johannes in Gefangenschaft und re. oben hält die Tochter des Herodes das Haupt des Johannes auf einer Schüssel.

Das Fenster an der Turmseite hinter der Hauptorgel zeigt eine Darstellung des Jüngsten Gerichts und darüber die Begegnung der schwangeren Elisabeth mit der schwangeren Maria.

Dieses Westfenster und die drei Fenster im Chor wurden Ende des 19. Jahrhunderts in der Glasmalerwerkstatt von der Forst im Münster geschaffen.

Der große Kronleuchter im Mittelschiff mit seinen 18 Armen in zwei Stockwerken ist wohl eine niederländische Arbeit des 17. oder 18. Jahrhunderts. Das gilt auch für den kleineren, achtarmigen flämischen Kronleuchter. Der kleinere Kronleuchter mit dem Reichsadler ist dabei älter und stammt aus der Zeit um 1600.

Die barocke Pieta in der südlichen Turmkapelle stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Einzigartig ist nach erfolgter Renovierung die aus dem Jahre 1648 datierte Holztafel Moses mit den zehn Geboten mit dem Dekalog und den fünf Kirchgeboten in Plattdeutsch, die im südlichen Seitenschiff hängt.

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An den Wänden der Seitenschiffe hängen 14 auf Kupfer gemalte Kreuzwegstationen. Sie stammen von Johann Bartscher aus Oelde und sind nach den Compositionen der Kreuzweggemälde im Dom zu Antwerpen gestaltet. 1890 wurden sie in der Altenberger Kirche aufgehängt und später mit Holzrahmen versehen.

(Texte aus dem Kurzführer "St.Johannes-Baptist Altenberge" von K.H.Stening, erstellt am 6.12.2004)